TU-Forscher legen Probleme im Uni-Betrieb offen
Donnerstag Nachmittag schilderten Lehrende und Forscher der TU Wien in Vorträgen und Diskussionen ihre Arbeitsbedingungen vor den Studierenden im voll besetztem Hörsaal 1 (Aufzeichnungen davon siehe unten). Dabei zeigten die Vertreter des universitären “Mittelbaus” und auch Professoren gravierende Probleme auf. Die Solidarität zwischen den Studierenden und dem Lehr- und Forschungspersonal der TU war der Grund für die Veranstaltung und zeigte sich auch in den Diskussionen. Auch in der kommenden Woche sind Diskussionen mit dem wissenschaftlichen Personal der TU geplant.
Als “Mängelverwaltung” beschrieb Architektur-Dozent Manfred Berthold die Situation in seinem Arbeitsbereich: Drei ProfessorInnen hätten neben der eigenen Lehre auch noch die von 30 extern beauftragten Lehrenden zu administrieren. Die Frage nach Zeit für Forschung entlockt den drei Architekten am Podium ein resigniertes Lächeln, Forschung würde praktisch nicht betrieben.
Kurt Matyas, Studiendekan der Fakultät für Maschinenwesen und Betriebswissenschaften, schloss sich unter anderem der Forderung der Studierenden nach fairer, auf den Arbeitsaufwand bezogener Aufteilung der ECTS-Punkte auf Lehrveranstaltungen an, das sei auch ein europaweites Problem. Die Studierenden kritisieren, die ECTS-Punkte würden großteils willkürlich so gewählt, dass es sich mit der gesetzlich vorgegebenen Gesamtzahl für ein Studium ausginge.
Bezogen auf die Situation der vielen Maschinenbau-StudienanfängerInnen, meinte sein Fakultätskollege, Dekan Bruno Grösel, der unter den Studierenden im Hörsaal saß, es gäbe “keine Möglichkeit für vernünftige Lehre”. Diese hätten schlicht keinen Platz mehr in den Hörsälen und zu deren Betreuung gibt es zu wenig Assistenten. Obwohl erwiesen sei, dass jeder und jede einzelne Maschinenbau-AbsolventIn gebraucht würde, gäbe es keinen Cent mehr Budget.
Kein Geld für angemessene Bezahlung des Uni-Personals
Als er sein Studium Ende der 1980er begann hätte die gesamte Fakultät für Chemie für einen Neubau eines ihrer Gebäude gestreikt, erzählte Universitätsassistent der Elektrotechnik und Betriebsratsmitglied Heinz Wanzenböck. Er beklagte unter anderem die Beschäftigungsverhältnisse des wissenschaftlichen Personals, welches offiziell aus finanziellen Gründen oft nur für 30-Stunden-Wochen angestellt werden könne, aber tatsächlich bis zu 60 Stunden Arbeitsleistung erbringe. Der neue Kollektivvertrag hätte da nur nominelle Verbesserungen gebracht, weil beispielsweise auch dem Wissenschaftsfonds FWF kein weiteres Geld für die angemesse Bezahlung seiner ProjektmitarbeiterInnen zur Verfügung gestellt wird.
Solange die Universität von öffentlichen Mitteln finanziert würde, müsste ihr Angebot an Lehre und Forschung auch frei zugänglich sein, meinte Informatik-Dozent Peter Purgathofer. In seinem Arbeitsbereich beispielsweise würden alle mit öffentlichen Mitteln finanzierte Forschungsergebnisse als Open Source zugänglich gemacht.
Vor prall gefülltem Hörsaal sprach Purgathofer über den Streik der Informatik im Jahr 1985. Professoren hätten damals Vorlesungen spontan im Freien, in der Karlsplatzpassage und in leerstehenden Gebäuden abgehalten um auf gravierende Platzprobleme aufmerksam zu machen. Purgathofer gab auch Einblick in seine Utopie von einer Uni, die stolz ihren Studiernden Freiräume zur Verfügung stellt, so groß wie der 400 Sitze umfassende, besetzte Hörsaal 1.
Dekane drei verschiedener Fakultäten und einige Lehrende der TU haben gestern den ersten Schritt gemacht die vielen von der österreichsichen Wissenschaftspolitik verursachten Probleme der Lehrenden und ForscherInnen an der TU öffentlich zu diskutieren. Nächste Woche sollen diese Gespräche zwischen Studierenden und Lehrenden weitergehen – Wir protestieren gemeinsam für ein besseres Bildungssystem!
Videomitschnitte:
Peter Purgathofer: http://www.ustream.tv/recorded/2447105, ab 11:00
Heinz Wanzenböck: http://www.ustream.tv/recorded/2447416, ab 5:20









30.10.2009 um %H:%M
Peter Purgathofer ist ein kluger Mann. Einer der wenigen, die es, durch starken persönlichen Einsatz, geschafft haben, in einer Massenvorlesung ohne nennenswerte persönliche Betreuung, Inhalte sehr ansprechend rüberzubringen und die Studierenden zu begeistern.
31.10.2009 um %H:%M
i find den purgathofer einfach genial =)))
31.10.2009 um %H:%M
je länger ich ihm zuhör, umso besser ist er ^^ wäre froh so einen genialen prof. zu haben ^^
31.10.2009 um %H:%M
Prof. Purgathofer ist einer der genialsten Professoren die mir in meinem bisherigen Studium über den Weg gelaufen ist. Er war so ziemlich der einzige, der es geschafft hat, seinen Stoff interessant rüberzubringen – und das vor einem Hörsaal mit ca 600 Leuten.
Und er scheint einer der wenigen Lehrkörper zu sein, der noch nicht komplett abgestumpft ist. (Dies ist nicht nur meine persönliche Meinung – viele Lehrkörper und auch einige Dekane sprachen 2 Stunden davor von einer “Verwaltung der Mängel”, an die sie sich inzwischen schon “gewöhnt” hätten).