Als .pdf zur besseren Lesbarkeit: Warum Bologna den Prozess machen
- Der Bologna-Prozess ist eine rechtlich nicht bindende Absprache zwischen Bildungs- bzw. WissenschaftsministerInnen -> die nationalen Parlamente wurden nicht einbezogen
- Es gab kaum studentische Mitbestimmung bei der Initiierung des Prozesses
- bedeutet die Ausrichtung der Bildung auf Unternehmens- und Arbeitsmarkterfordernisse (vor allem der Bachelor dient nur mehr Berufsausbildung statt universitärer Bildung; Unternehmen minimieren dadurch ihre Ausbildungskosten)
- zeigt die Verknüpfung des Bologna-Prozesses mit der Lissabon-Strategie[1] der EU, in welcher ebenfalls die Ausrichtung der Lehrinhalte und der Forschung auf wirtschaftliche Interessen gefordert wird (v.a. die Kommission nimmt Einfluss auf den Bologna-Prozess und forciert die Lissabon-Strategie)
- führt zur Instrumentalisierung der Bildung: Bildung ist durch die Ökonomisierung nicht mehr Ziel, sondern wird ein Mittel zum Zweck
- erschwert es, selbstbestimmt und kritisch zu studieren, sowie eigene Interessensschwerpunkte einzubringen
- Das Ziel des lebenslangen Lernens bedeutet, dass AbsolventInnen auf eigene Kosten immer wieder ihr Qualifikationsprofil den Markterfordernissen anzupassen haben; der Mensch liefert sich so kognitiv den Märkten aus
Im Windschatten der sehr vagen Ziele des Bologna-Prozesses nutzten die EU-Mitgliedsstaaten den Bologna-Prozess für den neoliberale Umbau der europäischen Hochschullandschaft (welcher genau in dieser Form in der Lissabon-Strategie vorgeschlagen wird) – z.B. in Österreich durch das UG2002
- Die Universitäten werden zu Dienstleistungsunternehmen verbetriebswirtschaftet, die auf einem angeblichen Hochschulmarkt im Wettbewerb stehen (=Autonomie)
- Bildung wird zur Ware , StudentInnen werden zu KonsumentInnen
- Chronische Unterfinanzierung
- Finanzierung durch Drittmittel, Studienbeiträge und die kommerzielle Nutzung von Forschungsergebnissen
- Private Interessen dringen in die Universitäten ein: Uni-Rat, Drittmittelfinanzierung -> unabhängige und freie Forschung wird so unmöglich
- Prekarisierung der Lehre
- Ranglisten, Evaluierungen
- Zugangsbeschränkungen
- Demokratieabbau
- Überfrachtete Bachelor-Studienpläne: Zu viele Lehreveranstaltungen wurden in die kürzeren Bachelor-Studienpläne gepresst
- Falsche Berechnung des „Workload“ (Arbeitspensum): Es wird davon ausgegangen, dass Studierende nicht erwerbstätig sind, noch erhebliche Zeitanteile für gesellschaftliches, politisches oder familiäres Engagement aufwenden
- Doppelstudien wurden dadurch erheblich erschwert
- Diplomstudienpläne laufen zu schnell aus
- Probleme beim Umstieg auf andere Studienpläne (Nichtanrechnung von Lehrveranstaltungen etc.)
- Teilweise Benachteiligung für Diplom-Studierende bei Lehrveranstaltungsanmeldungen gegenüber BA/MA-StudentInnen
Immer mehr Studierende klagen über psychische Belastungen, Überlastung, Stress, depressive Verstimmungen, Versagensängste und Prüfungsangst (siehe IHS-Studierenden-Sozialbericht 2009)
- durch zu hohe Arbeitsbelastung
- die Mindeststudienzeit wurde zur Regelstudienzeit umgedeutet
- erhöhter Druck, um in den beschränkten Master zu kommen; Beschränkungen führen zu Konkurrenz unter den Studierenden
- Das Konzept des dreigliedrigen Systems (BA, MA, PhD) wurde bereits mit dem Hintergedanken erstellt, dass man so Zugänge beschränken könne; bzw. diente seine Umsetzung als willkommener Anlass für Beschränkungen: Der Bachelor ist ein billiger, minderwertiger Abschluss für die Masse der Studierenden, welcher Beschäftigungsfähigkeit bringen soll (was durch seine kürzere Dauer der Uni erheblich Geld spart)
- Bildung nur für die Elite im beschränkten Masterstudium
- Die Einheit von Lehre und Forschung ist gefährdet: im BA gibt es nur Lehre
- durch höheren Arbeitsaufwand werden berufstätige Studierende bzw. Studierende mit Familie benachteiligt
- Zugangsbeschränkungen sind sozial selektiv -> Master und PhD sind deshalb bisherige Eliten reproduzierend
- v.a. Frauen werden durch die Beschränkungen ausgeschlossen (es studieren relativ weniger Frauen in Master und PhD)
- Voraussetzungsketten, STEPs, Modularisierung
- Freiheit, Selbstbestimmtheit und individuelle Schwerpunktsetzung wurden verunmöglicht: Minimierung der Wahlmöglichkeiten; freie Wahlfächer – der Blick über den disziplinären Tellerrand – wurden abgeschafft
- Kaum Zeit für eigene Reflexion oder Lektüre abseits der vorgegebenen Pflichtlektüre
- Mobilität: Die stark verschulten, überfrachteten Studienpläne und der Druck, diese in Mindeststudienzeit zu absolvieren, erschweren es sogar, Auslandssemester zu machen
- Anrechenbarkeit: ist nicht einmal innerhalb Österreichs zwischen Universitäten gegeben
- Das dreigliedrige System wir nicht akzeptiert: Der Bachelor wird in Österreich nicht als akademischer, und auch nicht als berufsqualifizierender Abschluss anerkannt
Anm.:
[normal] Dem Bologna-Prozess inhärente Probleme
[kursiv] Verschlechterungen, für die der Bologna-Prozess als Vorwand missbraucht wurde bzw. die durch seine Auslegung entstanden, welche aber nicht explizit im Bologna-Abkommen vorgeschrieben sind
16.02.2010 um %H:%M
Alle die sich gegen den Gipfel zu 10 Jahre erfolgreichem Bologna, mit beispiel der ERFOLGREICHEN (sic) umsetztung in Österreich, am 11.3. in Wien engagieren wollen:
bolognaburns.org
http://unsereuni.at/wiki/index.php/Mobilisierung_..?lang=de.
08.03.2010 um %H:%M
[...] eine Jubiläumsfeier angesichts dieses Politikversagens (auf der bologna burns!-Webiste ist die gesammelte Argumentation unserer Protestbewegung zum Bolognaprozess zusammengefasst) eher als höhnische Farce. In Teilen der Protestbewegung wird der Prozess nicht [...]
11.03.2010 um %H:%M
[...] einer Stadt, sondern bezeichnet auch einen Hochschulreformprozess, der in den letzten 10 Jahren verheerende Auswirkungen auf die Universitäten ganz Europas gehabt [...]