Nachdem das Rektorat am vergangen Donnerstag ein konkretes Angebot an die Studierenden stellte, wurde ein Positionspapier der Protestbewegung erarbeitet, das zum Großteil von der Universitätsleitung angenommen wurde.
Inhalte der Einigung:
Räumlichkeiten in einem nahegelegenen Gebäude werden als Ausweichquartier über die Weihnachtsferien bereitgestellt. Danach wird den Studierenden der Hörsaal B der Grazer Vorklinik komplett zur Verfügung gestellt, der größere Hörsaal A darf ab 20 Uhr genutzt werden. Der reguläre Lehrbetrieb kann daher ab dem 7. Jänner wieder aufgenommen werden. Die Besetzer_innen sehen durch die Besuche anderer Studierender die Chance, weiter zu mobilisieren.
Abseits der Frage der Räumlichkeiten wurde seitens des Rektorates Master-Zugangbeschränkungen (gemäß §64 UG) bis 2012 eine Absage erteilt. Die Studierenden werden intensiv in die Diskussion über die Verteilung der „Notfallsgelder“ des BMWF eingebunden. Universitätsleitung und Studierende werden künftig gemeinsam in Arbeitsgruppen über drängende Fragen mindestens ein Mal im Monat tagen.
Die Einrichtung einer kritischen Lehre wird durch die Umbenennung des Hörsaals A in „Willi-Gaisch-Hörsaal“ unterstrichen. Willi Gaisch war Widerstandskämpfer zur Zeit des Nationalsozialismus und verstarb vor kurzem in Graz.
Resümee und weitere Vorgehensweise:
„Die gesamten Proteste haben ihre Berechtigungen, das Format müsse sich aber ändern.“, reflektiert Rektor Gutschelhofer. Ihm ist bewusst, dass die Besetzer_innen andere nicht vom Studium abhalten wollen, sondern das Mittel der Besetzung gewählt wurde, um sich auszudrücken. „Das politische System habe die Universitäten in den letzten Jahren nicht besonders gut behandelt: Die Regierung machte schnelle Schüsse, ohne sich über die Umsetzung Gedanken zu machen“, ergänzt Gutschelhofer.
Auch die Studierenden sind der Meinung, dass die Bildungökonomisierung der letztjährigen Regierungen zu weit ging. „Nun ist die Politik am Zug, sich dem Beispiel von gelungener Kooperation zwischen Leitung und Studierenden anzunehmen, um endlich eine Verbesserung an Österreichs Universitäten zu erarbeiten“, erklärt ein Student.
Die Universitätsleitung nimmt sich aber auch selbst an der Nase: Sie habe sich in letzter Zeit wegen der Autonomisierung und Ausgliederung der Medizinischen Fakultät zu sehr mit sich selbst beschäftigt.
Die Kosten der Besetzung werden als sehr gering eingeschätzt. „Konkrete Zahlen liegen noch nicht vor, da das angemietete Kino erst eine Rechnung ausstellen muss“, meint Vizerektor Polaschek.
Einigung als Beispiel für andere Universitäten:
Ähnliche Gespräche und Einigungen konnten bereits in Innsbruck und in Salzburg erreicht werden. Auf das besetzte Audimax der Uni Wien kann dies aber aus Sicht der Grazer_innen nicht umgelegt werden: Wien spiele politisch eine ganz andere Rolle, auch die Wiener Stadtpolitik bietet ein ganz anderes Umfeld als in den Bundesländern.
Weitere Informationen:
Website “Uni Graz gehört uns!”
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